Fremdgang

Hamburg, meine Stadt, es tut mir leid, dir sagen zu müssen, ich bin dir fremd gegangen.

Kopenhagen Sydhavnen
Kopenhagen Sydhavnen

Zwei Tage im Frühherbst, Sonne, es ist noch warm. Hamburgs nordische Konkurrenz kann einem durchaus den Kopf verdrehen, wenn man ihn so mag wie ich, diesen kühlen Charme der nordeuropäischen Küstenstädte.

Ca. 1 Million Fahrräder auf den Straßen, viele (schöne) Menschen, mittendrin wir, getrieben von unserer Stimmung, mal hierhin, mal dorthin, zu Fuß, auf dem Rad, Ecken erkunden, irgendwo sitzen, beobachten, lauschen, riechen, nichts verstehen und nicht zuhören müssen, still sein dürfen, atmen, schön finden…

Foto 07.10.14 22 19 19

Bunte Ecken entdecken, den Kopf leer pusten lassen, weit weg von Zuhause. Zeit hat eine andere Bedeutung, wenn man sich treiben lässt.

Oder eine andere Dimension? Zeit ist so dehnbar, kann sich dafür in anderen Momenten zusammenziehen zu einem kleinen, stoischen Klumpen. Aber hier: ein Tag scheinbar unendlich lang…

Die Stadt entdecken, so viele unterschiedliche Ecken, alte Stadt, neue Stadt, Freistaat, Wasser, Oper, Theater, Regierungsviertel Christianborg, Carlsberg-Brauerei, Nyhavn, Christiania, Vesterbro und der Hafen, immer wieder der Hafen und das Wasser, der Duft des Meeres …..

Viele viele Menschen, es ist schön, einfach in die Menge tauchen zu können. Zuhause vermeide ich das oft. Ich verstehe dort zuviel. Hier verstehe ich gar nichts. Und muss es auch nicht. Das mag ich.

Foto 08.10.14 21 48 49

Augenblicke suchen, Bilder, Perspektiven…. im Alltag gelingt es mir viel weniger, den Fokus auf das Schöne zu legen, wie in solchen Auszeiten. Hier dafür umso mehr.

Der Begriff ‚Auszeit‘ passt genau, es war, als wäre die Zeit für eine Weile ausgeschaltet, als würde ich mich schwerelos im Zeitraum bewegen.

Foto 07.10.14 22 29 25

Foto 07.10.14 22 22 26 (1)

IMG_3077

Und zum Abschluss am Abend im Mikkeler versacken, wo diverse verschiedene Biersorten des Phantombrauers Mikkel Borg Bergsjo zu finden sind, die weltweit Anklang finden, nur nicht in Deutschland. Der Mensch tobt sich aus an kreativen Bierexperimenten und lässt andere für sich brauen. In seiner kleinen Bar, die jeden Abend gerammelt voll zu sein scheint, lassen sich ganze Abende mit Gesprächen, einem Teil seiner Biersorten (z.B. Bier mit Grapefruit-, Blaubeer- oder ‚Spontan‘-Geschmack) und Beobachtungen der Kopenhagener Szene verbringen….

Foto 07.10.14 11 33 55

Wieder in Hamburg, schmunzle ich meine Stadt an und freue mich, hier leben zu dürfen. Und es ist dennoch gut zu wissen, dass ich auch an anderen Orten bleiben könnte. Ich bin ich bin ich bin ich, egal wo. Das zu wissen, ist wohl das Wichtigste ….

Zufrieden mit mir und meiner Welt sinke ich wieder gerne zurückgekommen in meiner Stadt in meine Nacht…

One comment on “Fremdgang

  1. Liebe Andrea,
    ein wunderbarer Beitrag, der Lust macht nach Kopenhagen zu fahren, der überhaupt Lust macht, mal wieder etwas Neues zu sehen. Rauszukommen aus dem Alltag und dem Alltäglichen, sich, seine Augen, seinen Kopf, sein Herz zu öffnen und durchfluten zu lassen. Sich treiben zu lassen und keine Rolle übernhemen zu müssen.
    Halte es frisch, so lange es geht und schreibe noch viele solche Beiträge!
    Liebe Grüße, Wanja

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s