Hin und weg

Es gibt Tage, da kommt mir mein Leben vor wie der Hamburger Hauptbahnhof.

Tage, Menschen, Erlebnisse, Augenblicke kommen und gehen. Züge fahren ein, Menschen steigen aus, verbringen einen Moment mit mir auf dem Bahnsteig, um sich dann wieder auf ihren eigenen Weg zu ihrem eigenen Ziel zu begeben.

Foto 08.10.14 11 26 39

Ich stehe auf dem Bahnsteig und schaue. Um mich herum ist es lebendig, laut und ich weiß kaum, wo ich zuerst hinschauen oder hinhören soll. Und vor allem, wie ich das Vernommene, Erlebte, Gesehene in kurzer Zeit verarbeiten und ordnen soll, während bereits der nächste Zug einfährt. Mir rauscht der Kopf. Die Ohren sausen.

Da verfolge ich ein Erlebnis, eine Begegnung, eine Geschichte, lausche ich einer Erzählung, will eigentlich über sie nachdenken oder vielleicht auch noch ein Weilchen eine Situation innerlich festhalten, in ihr schwelgen, weil sie mich bewegt hat, aber da kommt schon wieder jemand und hat etwas für mich und ein anderer braucht meinen Rat, weil er nicht weiß, auf welches Gleis er soll. Jemand oder etwas verabschiedet sich. Irgendetwas rennt mir entgegen. Direkt in die Arme. Oder an mir vorbei.

Es gibt so viel zu sehen und noch mehr zu hören.

Doch sie alle kommen und gehen weiter. Menschen wie Momente wie Situationen.

Doch ich bleibe da. Und möchte so gerne all das Erfahrene, Erlebte sortieren, verstehen, genießen, halten, erinnern….

Und doch so oft gelingt es mir nicht. Die Zeit vergeht schnell, ein Hauptbahnhof ist ein trubeliger Ort. Und so sammle ich Erlebnisse und Erfahrungen in irgendeiner unsortierten Kiste und trage sie mit mir herum. Und warte auf den Moment, in dem ich sie öffnen, jedes einzelne Ding heraus holen und betrachten kann, um es zu verstehen. Aber er steigt aus keinem Zug aus, der Moment. Oder ich finde ihn nicht, inmitten des routierenden Lebens in diesem Bahnhof.

Dann und wann aber finde ich mich auf einem Bahnsteig wieder, auf dem nur selten ein Zug einfährt. Hier ist es leer, wie oben auf dem Bild. Manchmal gehe ich mit meiner Kiste hier her, um mich vom Trubel der anderen Gleise zu erholen. Und warte. Warte einfach. Sitze einfach da und schaue der Zeit zu, wie sie vergeht.

Dann verlangsamt sie sich. Minuten werden zu Stunden. Ich sitze da und mein Kopf leert sich. Ich atme und warte. Es ist stiller und leerer als auf den anderen Bahnsteigen. Die Luft ist etwas frischer.

Immer wieder zieht es mich zwischendurch hierher. Ich fühle mich wohl hier. Warte. Ruhe. Und halte inne. Ich weiß wohl, irgendwann kommt auch hier der nächste Zug. Aber dann werde ich lächeln und ihm offen entgegen gehen.

Mit meiner unsortierten Kiste unterm Arm. Und es wird gut sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s